Mögliche Ursache für Polyzystisches Ovar-Syndrom entdeckt

Nicht wenige Endometriose-Patientinnen leiden auch unter dem PCO-Syndrom (PCOS) oder Stein-Leventhal-Syndrom.

Die Stoffwechselstörung gilt als die häufigste Ursache von Unfruchtbarkeit bei Frauen und zeichnet sich auch durch Zyklusstörungen, Eierstockzysten und ein komplex gestörtes hormonelles Gleichgewicht, wie erhöhte Androgenspiegel (männliche Sexualhormone wie Testosteron), aus. In Europa sind etwa 4-12% der Frauen im gebärfähigen Alter betroffen, weltweit sogar bis zu 20%. Etwa 3/4 der betroffenen Frauen leiden unter Unfruchtbarkeit.

Paolo Giacobini und seine Kollegen vom French National Institute of Health and Medical Research haben jetzt eine aufsehenerregende Entdeckung gemacht, die die Ursache vom PCOS sein könnte.

Den Forschern war aufgefallen, dass schwangere Frauen mit dem PCO-Syndrom um 30% erhöhte Werte des Anti-Müller-Hormones (AMH) aufwiesen. Da bekannt war, dass das Syndrom erblich ist, entstand die These, ob diese hormonelle Veränderung in der Schwangerschaft das Syndrom bei den ungeborenen Töchtern auslösen könnte. Das Team injizierte daraufhin schwangere Mäuse mit einer erhöhten Dosis des AMH – und die weiblichen Nachfahren zeigten tatsächlich Symptome des PCO-Syndroms, wie verspätete Pubertät, unregelmäßige Eisprünge, verspätete Schwangerschaft und weniger Nachkommen.

Der erhöhte AMH-Spiegel scheint dabei einen Effekt im Gehirn zu stimulieren, der das Level der männlichen Sexualhormone wie Testosteron erhöht.

Mit Hilfe des In-vitro-Fertilisations Medikaments Cetrorelix konnte der Effekt bei den Mäusen gestoppt werden, sie zeigten nach der Behandlung keine Symptome mehr.
Das Medikament wird in der künstlichen Befruchtung eingesetzt, um den Hormonspiegel der Kinderwunschpatientinnen zu regulieren. Der Wirkstoff ist ein GnRH-Antagonist, der die Ausschüttung von LH und FSH hemmt und den Eisprung verzögert. In Deutschland ist das Medikament als Cetrotide® auf dem Markt.

In der nächsten Phase, die noch dieses Jahr beginnen soll, sind Tests mit dem Wirkstoff bei Frauen mit PCO-Syndrom geplant. Das erklärte Ziel der Forscher ist die regelmäßige Ovulation und erhöhte Schwangerschaftsraten für PCO-Patientinnen.

Robert Norman, Forscher an der Universität von Adelaide in Australien glaubt, dass diese Ergebnisse auch erklären könnten, warum Frauen mit PCO leichter in ihren späten Dreißigern oder frühen Vierzigern schwanger werden – da das Level des Anti-Müller-Hormons mit dem Alter abnimmt, was normalerweise mit abnehmender Fruchtbarkeit in Verbindung gebracht wird. Bei Frauen mit einem sehr hohen Anfangslevel jedoch, könnte es bedeuten, dass sie durch die Abnahme erst spät auf ein Normallevel kommen. Zu dieser These müssen allerdings auch weitere Tests gemacht werden.

 

Quellen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Polyzystisches_Ovar-Syndrom

https://de.wikipedia.org/wiki/Anti-Müller-Hormon

https://www.newscientist.com/article/2168705-cause-of-polycystic-ovary-syndrome-discovered-at-last/

 

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